Splendid White –
Die Sammlung Reiner Winkler jetzt komplett

Mit Werken, die bis zum Tod des Privatsammlers und Mäzens Reiner Winkler (1925–2020) in seinen privaten Wohnräumen verblieben, macht die Sammlungspräsentation „Splendid White“ die Schönheit, Virtuosität und den Variationsreichtum barocker Elfenbeinschnitzerei nun vollständig eindrücklich erlebbar.

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Vor wenigen Jahren gelang der Liebieghaus Skulpturensammlung mit einer Sammlung kostbarer Elfenbeinskulpturen des Barock und Rokoko aus dem Besitz des Privatsammlers und Mäzens Reiner Winkler (1925–2020) die bedeutendste Erweiterung der eigenen Bestände in der Geschichte des Museums.

Meisterwerke weltbekannter Schnitzer wie etwa „Die Furie auf sprengendem Pferd“ (1610), „Chronos auf der Weltkugel“ (um 1720/25?) oder „Die drei Parzen“ (1670) waren seither unter dem Titel „White Wedding“ im Liebieghaus zu sehen.

Seit dem 2. Juni 2022 sind mit der Ausstellung und neuen Sammlungspräsentation „Splendid White“ nun auch die Sammlungsbestände für das Liebieghaus-Publikum zugänglich, die bis zum Tod Reiner Winklers in seinen privaten Wohnräumen verblieben. In unmittelbarer Nachbarschaft zur ersten Präsentation werden nun 21 ausgewählte Werke der insgesamt 31 Statuetten, Figurengruppen und Reliefs aus Elfenbein, Ton und Holz umfassenden Sammlung gezeigt, die im Sommer 2020 ins Liebieghaus gebracht, gereinigt und fotografiert wurden. Mit diesen letzten in den Wohnräumen des Mäzens aufgestellten und aufgehängten Kunstwerken ist die Elfenbein-Sammlung Reiner Winkler im Liebieghaus nun komplett.

Vervollständigt wird die neue Sammlungspräsentation um herausragende Werke wie Porträtmedaillons und Bildnisse von adligen Persönlichkeiten, Privatpersonen und Würdenträgern. Darunter befindet sich auch ein „Bildnis von Papst Clemens XI“ (um 1710), von dem es mindestens drei Versionen gibt. Im Grünen Gewölbe in Dresden und im V&A in London haben sich neben dem Porträt im Liebieghaus zwei weitere erhalten. Als Konversionsgeschenke der Päpste wurden sie fürstlichen Konvertiten ausgehändigt. Es ist anzunehmen, dass das Frankfurter Medaillon und ebenso weitere Versionen aus vergleichbaren, noch unbekannten konkreten Anlässen hergestellt und verschenkt wurden.

Auch grandiose, relativ großformatige Relieftafeln mit christlich-religiösen Motiven oder beeindruckende Kombinationsfiguren wie die „Bettlerin mit Saitentambourin und Kind“ ergänzen den bisherigen Bestand der Sammlung Reiner Winkler.

Die Werke „Die Verkündigung an Maria“ und „Maria Heimsuchung“ (beide um 1770–1780) hingen lange Zeit an prominenter Stelle im Haus von Reiner Winkler. Für das Verkündigungs-Relief ist als Vorbild ein Kupferstich von Laurent Cars nach einem Gemälde von François Lemoyne bekannt. In beiden Reliefs fallen die sensibel gezeichneten Gesichtszüge, die gelängten Körper mit zierlichen Gliedmaßen und fein gestalteten Haaren auf, die als charakteristische Merkmale eine Zuschreibung der beiden Tafeln an den Diepper Elfenbeinschnitzer Jean-Antoine Belleteste (1731–1811) nahelegen.

Bis zum Übergang der Sammlung Reiner Winkler in das Liebieghaus besaß das Museum kein Exemplar der berühmten sogenannten Kombinationsfiguren aus Elfenbein und Holz. Während diese Gattung in „White Wedding“ seit 2019 vorgestellt wird, wird die Reihe nun mit der Kombinationsfigur (1730er-Jahre) von Simon Troger und Werkstatt eindrucksvoll erweitert.

Troger war spezialisiert auf die Herstellung von Kombinationsfiguren aus Holz, Elfenbein und Glas. Insbesondere die nur spärlich bekleideten Bettlerfiguren und antike Göttergestalten in idealer Nacktheit boten sich als Themenbereich an, wobei kostbares Elfenbein für die unbekleideten Körperpartien verwendet wurde. Stoffreste sowie Gewänder wurden mit edlen Holzsorten wiedergegeben.

Wie die beschriebenen Werke exemplarisch verdeutlichen, bedeutet die Zusammenführung der Sammlung Reiner Winkler nicht nur eine wertvolle Erweiterung des Museumsbestandes: Die Sammlungspräsentation „Splendid White“ macht die Schönheit, Virtuosität und den Variationsreichtum barocker Elfenbeinschnitzerei nun vollständig eindrücklich erlebbar.

Autor:

Dr. Maraike Bückling

Ehemalige Leiterin der Abteilung Renaissance bis Klassizismus

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