Die Entdeckung und Restaurierung der Frankfurter Inmaculada

Das Liebieghaus hat ein beeindruckendes Meisterwerk des spanischen Barock erworben – eine „Maria Inmaculada Concepción“ von Pedro de Mena. Ihre kunsttechnologische Untersuchung und Restaurierung eröffnet spannende Einblicke in die Zeit ihrer Entstehung und liefert neue Erkenntnisse über den Bildhauer.

Die ikonographische Darstellung der Jungfrau Maria, die auf einer Mondsichel steht, wird als „Maria Inmaculada Concepción“ (Unbefleckte Empfängnis Mariens) bezeichnet. Diese war im Spanien des 17. Jahrhunderts so beliebt, dass sie zur Schutzpatronin des ganzen Landes erklärt wurde. Die Frankfurter Inmaculada kann aufgrund stilkritischer und kunsttechnologischer Merkmale eindeutig einem der bekanntesten und populärsten Bildhauer des spanischen 17. Jahrhunderts zugeordnet werden: Pedro de Mena.

Eine seltene Entdeckung

Im Gegensatz zu den Gemälden von Velazquéz, Ribera oder Murillo wurden selbst die erstklassigen spanischen Skulpturen des sogenannten Siglo de Oro (Goldenes Zeitalter) in internationalen Museen bis vor nicht allzu langer Zeit eher stiefmütterlich behandelt. So ist es nicht verwunderlich, dass Werke von De Mena in fast allen bedeutenden europäischen Skulpturensammlungen außerhalb Spaniens fehlen. Jüngere internationale Ausstellungen zur spanischen Barockskulptur tragen zur Bekanntheit bei und haben gleichzeitig ein großes Kaufinteresse auf dem Kunstmarkt ausgelöst.

So war es mehr als ein Glücksfall, dass wir durch Zufall eine bislang unerkannte und der Fachwelt noch fremde Inmaculada de Menas in Frankfurter Privatbesitz entdeckten und für unsere Sammlung gewinnen konnten.

„Mit dieser herausragenden Skulptur der Maria Immaculata, der unbefleckt empfangenen Maria, kommt die ganze Mystik des Goldenen Zeitalters Spaniens ins Liebieghaus: Sie verbildlicht eines der charakteristischen Themen des spanischen Barock, meisterlich in Form und Farbe realisiert von Pedro de Mena, einem der besten Bildhauer des Barock.“

Miguel Ángel Marcos Villán, Kurator, Museo Nacional de Escultura Valladolid (Spanien)

Pedro de Mena

Pedro de Mena wurde 1628 in Granada als Sohn einer Bildhauerfamilie geboren. Als Schüler und Mitarbeiter von Alonso Canos (1601–1667) war er als Künstler sehr erfolgreich und führte bis zu seinem Tod 1688 eine eigene Werkstatt, zunächst in Granada, ab 1658 in Málaga. Diese baute er mehr und mehr zu einem regelrechten Unternehmen aus, das mit Hilfe lokaler Mittelsmänner auf der gesamten iberischen Halbinsel den Verkauf und Transport zahlreicher, gut bezahlter Auftragsarbeiten vor allem für den Hochadel und den Klerus abwickelte.

Inspiriert von seinem Lehrer Alonso Cano entwickelte de Mena seine unverwechselbare Bildhauertechnik und sein ästhetisches Konzept, das sich durch eine ausgefeilte Arbeitstechnik und die virtuose, lebensnahe Ausarbeitung seiner Werke auszeichnet.

Mitte des 17. Jahrhunderts fiel in Spanien die strikte Zunfttrennung zwischen Bildhauern und Malern. So war Pedro de Mena neben Alonso Cano einer der ersten Bildhauer, der nicht nur ein eigenes Farbkonzept für seine Werke entwarf, sondern dieses auch in seiner eigenen Werkstatt ausführte. Die bis dahin im spanischen Barock übliche Fassung der Skulpturen, deren Gewänder mit reich vergoldeten und stark ornamentierten Brokatgewändern bemalt waren, wurde nun auf strenge Farbflächen reduziert, die durch ihre hyperrealistische Anmutung bestechen. Diese fast täuschend echt wirkende Fassung der Figuren wurde durch eine virtuose Maltechnik erreicht, die nicht nur durch die Farbwirkung allein, sondern auch durch die Textur der einzelnen Farbschichten entsteht.

Darüber hinaus wurde die naturalistische Wirkung der Fassung durch die Kombination zusätzlicher Materialien auf die Spitze getrieben: Glasaugen sowie der Einsatz von Echthaar, Elfenbeinzähnen, Fingernägeln aus Horn, Dornenkronen aus Pflanzenzweigen oder echten Seilen und Schnüren gehören zum gängigen Repertoire der Farbfassungen von Menas Skulpturen.

Das Restaurierungsprojekt

Die Frankfurter Inmaculada hat die letzten Jahrhunderte leider nicht ohne Schäden und nachträgliche Veränderungen überstanden. Neben kleineren Ausbrüchen im Faltenwurf und in der Frisur sowie dem fast vollständigen Verlust der mit Echthaar applizierten Wimpern fallen sofort die flächigen, stark glänzenden und wenig virtuos ausgeführten Übermalungen jüngeren Datums auf, die die gesamte Figur überziehen.

Glücklicherweise haben erste restauratorische Untersuchungen gezeigt, dass unter diesen späteren Übermalungen die qualitätvolle Originalmalerei de Menas weitgehend erhalten geblieben ist. Die Abnahme der Übermalungen gehört zu den zeitaufwändigsten und risikoreichsten Arbeitsschritten der Restaurierung und muss sehr sorgfältig erfolgen, um das Original nicht zu beschädigen.

Aus diesem Grund wurde 2023 ein mehrjähriges, von der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördertes Restaurierungs- und Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das nicht nur die Freilegung der originalen Bemalung der Frankfurter Inmaculada vorsieht, sondern auch eine weitgehende Ergänzung bzw. Integration der Fehlstellen in Form und Farbe. Die anstehenden Projektschritte, zu denen naturwissenschaftliche und kunsttechnologische Voruntersuchungen zum Materialaufbau der Skulptur, die Freilegung der Übermalungen sowie der Umgang mit den Fehlstellen gehören, können in den nächsten Jahren bei Forschung & Journal ausführlich und schrittweise verfolgt werden.

Autor:

Harald Theiss

Leiter der Werkstatt für Skulpturenrestaurierung

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